AMATEURFUNK IN DER DDR

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Von 2003 bis 2008 bearbeitete ich im Zuge meiner Promotion an der Humboldt-Universität zu Berlin im Bereich Zeitgeschichte das Dissertationsthema "Zwischen Selbstzweck und gesellschaftlichem Auftrag  - Rahmen- und Organisationsbedingungen für Funkamateure in der SBZ und DDR (1945-1990).

Die Arbeit beschreibt die historischen Umstände, unter denen der Amateurfunk als weltweites Kommunikationsnetzwerk auch in der DDR zugelassen wurde. Zwangsweise eingebunden in die Massenorganisation "Gesellschaft für Sport und Technik" hatte der Amateurfunk auch eine gesellschaftspolitische Funktion im Bereich der vormilitärischen Ausbildung zu erfüllen. In der Arbeit wird versucht, die Spielräume zwischen Zwängen und Freiräumen bzw. Herrschaft und Eigensinn der Funkamateure innerhalb der GST auszuloten und die besonderen Regeln des DDR-Amateurfunkwesens zu beschreiben.

Hierzu werden nicht nur staatliche Quellen aus den Archiven  verwendet, sondern auch auf Zeitzeugen, die unterschiedliche Funktionen innerhalb des GST-Amateurfunkgefüges ausübten, zurückgegriffen, um so der Thematik im Sinne von Anspruch und Wirklichkeit näher kommen zu können.

Teilaspekte wurden bisher in der Zeitschrift "Funk-Telegramm" behandelt und können auf den Seiten des Dokumentationsarchivs Funk nachgelesen werden.

AMATEURFUNK IN DER DDR

Rahmen- und Organisationsbedingungen für Funkamateure

in der SBZ und DDR – Zusammenfassung und Ergebnis

 

 

Die Rahmen- und Organisationsbedingungen für Funkamateure in der

DDR befanden sich in einem Spannungsfeld zwischen Eigenbedürfnissen

der Gruppe und über den Amateurfunk hinausgehenden staatlichen

Interessen. Die nicht freiwillige Zusammenführung der beiden Interessenslagen

innerhalb einer DDR-Massenorganisation führte zu einer dynamischen

Wechselwirkung, die sowohl durch die Auswirkungen externer

Einflüsse, als auch durch innerhalb der Organisation angelegte „konstitutive

Widersprüchlichkeiten“ (Pollack) gekennzeichnet war. Unabhängig

der veränderten ideologischen und gesellschaftlichen Ausrichtung war

dies eine Fortsetzung des Verhältnisses zwischen einem deutschen

Staat und der Gruppe der Funkamateure, dessen Wurzeln in die Zeit des

Kaiserreichs, der Weimarer Republik und des Nationalsozialismus zurückreichten

und unmittelbar aus den unterschiedlichen Einsatzinteressen

an der Funktechnologie resultierten. So wie in Deutschland immer

das Regal zur Nachrichtenübermittlung in staatlichen Händen lag, so

selbstverständlich wurde die Funktechnologie in diese gesetzliche Regelung

aufgenommen. Wegen militärischer Interessen, der Befürchtung

einer Verlagerung bisheriger Informationskanäle und besonders aus

Angst vor einer massenwirksamen Gegenöffentlichkeit wurden große

Bevölkerungsteile von einem aktiven Zugang zur Funktechnologie ausgeschlossen.

Die ersten deutschen Funkamateure stammten vermutlich aus dem

militärischen Bereich und vermischten sich nach dem 1. Weltkrieg mit

denjenigen, die sich im Zuge der damals weltweiten Faszination an

drahtloser Kommunikation der neuen Technologie zuwandten. Die deutschen

Behörden wurden allerdings wegen des zeitweiligen Verlusts der

Funkhoheit während der Revolution von 1918 in ihrer restriktiven Haltung

gegenüber privaten Funkinteressen bestärkt. Zudem richteten die Funkamateure,

wie die deutschen Behörden, ihren Blick verstärkt auf den US-Funkssektor,

wenn auch in diametraler Interpretation der dortigen Verhältnisse.

Sahen die deutschen Behörden in den USA hauptsächlich das

Chaos im Äther, das selbst vor Störungen staatlicher und kommerzieller

Dienste nicht halt machte, so galten die frühen Freiheiten und die Ameri336

can Radio Relay League (ARRL) als Amateurfunkorganisation den deutschen

Funkamateuren als das Organisationsvorbild schlechthin. Die ARRL

prägte das weltweite Selbstverständnis der Funkamateure durch Standards

in der Funkabwicklung und installierte unter ihrer Führung in Reaktion

auf die US- und der inzwischen Internationalen Regulierung des

Funkwesens Mitte der zwanziger Jahre die International Amateur Radio

Union (IARU) als einen internationalen Dachverband, der mit der Anerkennung

des Amateurfunks als selbständigen Funkdienst 1927 sein weltweiter

Interessenvertreter bei der Internationalen Fernmeldebehörde

(ITU) wurde. Damit einher ging eine selbst herbeigeführte Abgrenzung

von den Rundfunkhörern. Der Amateurfunk beschränkte sich in seinem

Charakter auf eine „Punkt zu Punkt-Verbindung“ unter Gleichgesinnten.

Zum Amateurfunk zugelassen wurde erst derjenige, der den Nachweis

technischer und betriebstechnischer Kenntnisse erbracht hatte.

Die restriktive staatliche Haltung in Deutschland nach dem 1. Weltkrieg

ließ hiesigen Funkamateuren nur zwei Möglichkeiten offen: Entweder

unter einer Art Kollektivlizenz in einen der wenigen damit ausgestatteten,

zumeist bürgerlichen Funkvereinen tätig zu werden, oder aber illegal

ihrer Leidenschaft nachzugehen. Selbst Empfangsamateure bzw. internationale

Rundfunkhörer waren den Behörden suspekt. Über die Vereine

und im noch stärkeren Maße in den Zeitschriften und Publikationen

wurde neben den Empfangsamateuren auch von den Sendeamateuren

eine Lobbyarbeit betrieben, die den Nutzen der Funkamateure für den

Staat durch ein vermeintlich wissenschaftliches, d.h. systematisches Arbeiten

mit den Funkwellen in den Vordergrund stellte. Dies wurde durch

eine anspruchsvolle Aufnahmeprüfung unterstrichen, die von einem

eigenen deutschen Dachverband, dem Deutschen Amateur- Sende- und

Empfangsdienst (DASD), initiiert und durchgeführt wurde. Dieses Verfahren

und die Anstrengungen einer „Beweisführung“ der Nützlichkeit des

eigenen Handelns formte zusammen mit den Einflüssen des US-amerikanischen

Amateurfunkwesens das Selbstverständnis der deutschen

Funkamateure, Teil einer Funkelite zu sein, und bestimmte den gemeinsamen

Nenner innerhalb der Gruppe. Intern differenzierte sich die Gruppe

schon vor dem 2. Weltkrieg nach Schwerpunkten in eine technische,

sportliche und kommunikative Strömung aus. Der Staat sah den eigenen

Nutzen an Funkamateuren allerdings hauptsächlich auf dem militärischen

Sektor, wo ihre Fähigkeit, auch unter schwierigen Umständen eine

Kommunikationsverbindung aufbauen zu können, eine Schlüsselfunktion

bekam. Sie waren es, die wegen ihrer Leidenschaft eine damals noch

sehr fehleranfällige Technologie beherrschten und den großen militärischen

Bedarf an Funkern mit abdecken konnten.

 

Während der nationalsozialistischen Herrschaft wurden erstmals

Amateurfunkgenehmigungen an Privatpersonen vergeben und die Funkamateure

gleichzeitig umfassend in militärische und paramilitärische Strukturen

einbezogen. Obligatorisch war dabei die Mitgliedschaft im gleichgeschalteten

DASD e.V., ohne dass dieser jedoch eine Monopolstellung

der Ausgabe von Lizenzen bekommen konnte. Vielmehr gab es ein Geflecht

von weiteren Genehmigungen mit militärischem Hintergrund, in denen

der DASD e.V. teilweise nur pro Forma eingebunden war.

Mit dem Untergang des „Dritten Reiches“ sendeten die Funkamateure

wegen des durch die Alliierten erlassenen Funkverbots wieder „schwarz“,

sortierten sich nach dem Eigenverständnis im eigenen System neu und

verfolgten in der Sowjetischen Besatzungszone (SBZ) die aus der Zeit

vor 1945 bekannte Parallelstrategie aus illegalem Funken und offiziellen

Organisationsversuchen. So setzten sich die Spannungen und der Kampf

um eine Legalisierung der eigenen gegenüber den staatlichen Funkinteressen

in der SBZ unverändert fort.

 

Legalisierungsbemühungen erfolgten von einzelnen Funkamateuren

über lokale Behörden, zentral über die Sowjetische Militäradministration

in Berlin-Karlshorst und die neu gegründeten Massenorganisationen.

Das gemeinsame Werte- und Normensystem der Funkamateure stand

dabei außer Frage, zumal es international verankert war. Die Einführung

eines legalen Amateurfunks unter den politischen Bedingungen der SBZ

und frühen DDR wurde jedoch durchaus unterschiedlich durch einzelne

Protagonisten beschritten, blieben aber insgesamt erfolglos. Einige

Funkamateure bezahlten ihren Einsatz mit hohen Haftstrafen. Durch die

in der SBZ und DDR bis 1953 fehlende Regulierung entwickelte sich

eine Eigendynamik außerhalb staatlicher Kontrolle, auch wenn das Ministerium

für Staatssicherheit (MfS) ab 1950 in der DDR versuchte, die

ostdeutschen Funkamateure systematisch zu erfassen und dabei von ei-

nem kollektiven Spionageverdacht der Gruppe ausging. Sicherheitsinteressen

standen vor den Interessen der Funkamateure und sollten es

während der gesamten Zeit der Existenz der DDR bleiben. Allerdings

waren die Funkamateure weder zu Beginn der fünfziger Jahre mit geheimdienstlichen

Mitteln zu kontrollieren, noch hielten Verbote diese von

illegaler Sendetätigkeit ab. Wiederum drohte einem deutschen Staat der

Verlust eines Teils der Funkhoheit, besonders als in der Bundesrepublik

der Amateurfunkdienst 1949 legalisiert und die ostdeutschen Funkamateure

in Teilen durch den bundesrepublikanischen Verein, dem Deutschen

Amateur-Radio Club e.V. (DARC) mitorganisiert und in deren Rufzeichensystem

eingebunden wurden. Die DDR-Staatsmacht musste

schließlich reagieren, um die Entwicklung überhaupt noch kontrollieren

und in einen gewünschten Rahmen kanalisieren zu können. Es zeigt sich

am Beispiel der Funkamateure, dass die planmäßig „von oben“ installierte

Massenorganisation nicht das gesamte Spektrum an Kultur- und

Freizeittätigkeiten der Menschen in der DDR abbildeten, das Phänomen

Amateurfunk zudem nicht mit Verboten und Überwachung bekämpft

werden konnte.

 

Ein erster Entwurf eines Amateurfunk-Zulassungssystems für die DDR

kam nach bisherigem Aktenstand 1951 aus dem Umfeld des Ministeriums

des Inneren (MdI) und versuchte das tradierte Eigensystem der

Funkamateure mit dem staatlichen Sicherheitsbedürfnis zu koppeln. Der

Plan sah vor, eine erste Amateurfunkverordnung zu erlassen, die den

internationalen Gepflogenheiten und dem Selbstverständnis der Funkamateure

entsprachen, um anschließend in Durchführungsbestimmungen

die zuvor registrierten Funkamateure nach politisch-ideologischen

Kriterien durch einen Zwangsanschluss an eine Massenorganisation

auswählen, kontrollieren und so externe Transfereinflüsse filtern und beobachten

zu können. Das MdI plädierte für den Anschluss an die Kammer

der Technik (KdT), was eine Übereinstimmung mit den Funkamateuren

gebracht hätte, die schon seit Jahren den Amateurfunk unter dem

Dach dieser Massenorganisation zu etablieren versuchten und u. a. in

der KdT-Jena 1951 sogar ein offizielles, landesweit ausgelegtes Amateurfunktreffen

organisierten. Die Umsetzung des Vorschlages des MdI

erfolgte mit geringen Korrekturen etwa zwei Jahre später, allerdings nicht

in der Kammer der Technik.

Dem internationalen Systemkonflikt, der Einbindung der Funkamateure

in ein paramilitärisches System in der Sowjetunion und der zu forcierenden

Militarisierung der DDR-Gesellschaft war es schließlich geschuldet,

dass ein legaler DDR-Amateurfunk 1952 der neu gegründeten Gesellschaft

für Sport und Technik (GST) angegliedert wurde, welche bis 1990

einen Beitrag zur Landesverteidigung in Form von vormilitärischer Ausbildung,

insbesondere der Jugend leisten sollte.

 

Wären die Funkamateure mit der Angliederung an die KdT wegen der

inhaltlichen Ausrichtung der Massenorganisation einverstanden gewesen,

so verstieß die neu gegründete GST mit ihrer vormilitärischen Aufgabe

gegen das weltweite Selbstverständnis der Funkamateure nach

dem 2. Weltkrieg und geriet zudem mit den pazifistischen Einstellungen

vieler DDR-Bürger in Konflikt. Selbst die treusten Parteigenossen unter

den ersten legalisierten Funkamateuren der DDR wendeten sich gegen

die militärische Ausrichtung der neuen Organisation und bezeichneten

diese als „Fehler“, ohne dies freilich ändern zu können. Gleichzeitig fanden

sich ehemalige Wehrmachtsfunker in der GST als leitende Funktionäre

wieder, so dass ein gewisser militärischer Input durch die älteren

Funkamateure mitgebracht und trotz NS-Vergangenheit in der DDR-Massenorganisation

eingegliedert wurde. Damit befanden sich ältere

Funkamateure in einer ähnlichen Situation, in der sie sich schon in den

dreißiger Jahren des 20. Jahrhunderts befanden, nämlich für militärische

Zwecke eingebunden zu werden, um gleichzeitig einer privaten Leidenschaft

zum Selbstzweck nachgehen zu können. Dabei war es sicherlich

individuell verschieden, inwieweit diese Einbindung als negativ empfunden

wurde, solange das eigene System sich an die militärischen Komponenten

ankoppeln konnte. Diese Einbindung zum Zwecke weitergehender,

militärischer Interessen erfolgte in der DDR einheitlich und monopolisiert

in einer Massenorganisation, die nach den Prinzipien des „demokratischen

Zentralismus“ aufgebaut war. Eine Mitsprache an grundlegenden

Fragen zur Organisationsform der GST und zu ihrem Budget war somit

ausgeschlossen. Jedoch zeigte sich schon zu Beginn des legalen Amateurfunks

innerhalb der GST an der Konsultierung parteitreuer Funkama-

teure, dass Funkamateure und ihr Wertesystem nicht ohne Einfluss in

der neuen Organisation waren, denn der Funkamateur wurde wegen seiner

Fähigkeiten als zumeist „ehrenamtlicher Funktionär“ zur vormilitärischen

Funkausbildung der Jugend benötigt. Auf diese Kenntnisse musste

durch die GST zwangsläufig zurückgegriffen werden, um überhaupt die

von der SED für die GST vorgegebenen und – wie die Studien von Paul

Heider belegen – völlig überzogenen Militarisierungsziele in der speziellen

Funkausbildung erreichen zu können. Die Funkamateure jedoch waren

hauptsächlich nur daran interessiert, möglichst viele der Eigeninteressen

innerhalb der GST verwirklichen zu können. Da sie darüber keine direkte

Entscheidungsgewalt hatten, ergaben sich drei Hauptmerkmale, die das

Spannungsfeld der Funkamateure zu den DDR-Organen und speziell zur

GST bestimmten:

 

1. Installierung amateurfunkspezifischer Einrichtungen nach internationalen

Gepflogenheiten in Abhängigkeit der institutionellen Entwicklung

der GST.

2. Sicherheitsbestimmungen und Überwachung in Abhängigkeit politischideologischer

Einschätzungen.

3. Vormilitärischen Aufgaben in der Funkausbildung.

 

Allgemein lässt sich das Ringen um die jeweiligen Interessen und ihre

Gewichtung in den gesetzlichen Amateurfunkverordnungen der DDR

ablesen. Die Betonung von Sicherheitsinteressen, weitergehenden „gesellschaftlichen

Interessen“ und der erlaubten Inhalte von Amateurfunkausstrahlungen

wurden abwechselnd mal stärker und mal schwächer in

den offiziellen Verordnungen ausgeführt. Es gelang den Funkamateuren

in der DDR die für den Betrieb des Amateurfunks notwendigen Strukturen

nachhaltig zu installieren, indem diese in die ideologische Gedankenwelt

und strukturelle Entwicklung der GST eingepasst wurden. Dies

wurde durch „von oben“ eingesetzte Funktionäre vorangetrieben, die als

Funkamateure selbst die Bedürfnisse „von unten“ kannten und diese abhängig

von der Gesamtentwicklung der Organisation und der politischen

Lage realisierten. Dabei wurden sie je nach Grad der Umsetzung der

amateurfunkspezifischen Bedürfnisse auch von der Basis akzeptiert.

Insbesondere in den ersten Jahren des DDR-Amateurfunks existierte in-

nerhalb der GST daher ein „wilder Raum“ (Engler), in dem die Möglichkeiten

und Bewegungsspielräume nur grob umrissen waren und trotz

enger sicherheitspolitischer Erwägungen sowohl Aushandlungs- als auch

Konfliktpotential bezüglich der Installierung der für den Amateurfunkdienst

in der DDR notwendigen Strukturen vorhanden war. So wie die

GST selbst im Aufbau begriffen war, so waren es gleichzeitig die Strukturen

des Amateurfunks als ein Teil der technischen Sportarten innerhalb

der Massenorganisation. Diese Aufbauphase dauerte im Amateurfunk

bis Ende 1961. Bremsend wirkte sich in diesem Zeitraum im Hinblick auf

das Eigenverständnis der Funkamateure aus, dass die GST mit Entscheidungsträgern

sowohl in der Spitze als auch häufig auch vor Ort besetzt

war, die keinerlei Vorstellungen vom Amateurfunk und seinen Zielstellungen

hatten. Dies hemmte die Entwicklung und drückte sich explizit

in den geringen Zulassungszahlen zum Amateurfunk aus. Vor Ort wurde

der Nachrichtensport häufig nur nebenbei durch GST-Funktionäre anderer

Bereiche mitbetreut. Funkamateure hatten es schwer, zum Aufbau

lokaler Strukturen eine Unterstützung durch die GST zu erhalten, denn

ihre Sportart war verglichen mit anderen Bereichen in der Organisation

stets einer der kleinsten. Eine Mittlerfunktion bekamen in diesem Zusammenhang

die GST-Zeitschriften. Hier wurden zumeist anhand von

Beispielen nicht nur Mängel an der Basis beschrieben, sondern ebenfalls

Unzufriedenheit mit der Anleitung der jeweiligen Abteilung im Zentralvorstand

angesprochen.

 

Es setzte sich ein System zur Erlangung der Amateurfunkgenehmigung

durch, das eine vormilitärische Funkausbildung mit Voraussetzungen

im Sinne der Funkamateure kombinierte. Vormilitärische Funkabzeichen

beinhalteten dabei Grundkenntnisse, z.B. in Morsetelegrafie, die

zur Erlangung einer Amateurfunkgenehmigung für Kurzwelle ebenfalls

vorausgesetzt wurden. Erst danach schloss sich über die Teilnahme zuerst

als Hörer der Weg zur aktiven Betätigung als Funkamateur an. Dies

war, wenn auch unter neuen ideologischen Rahmenbedingungen eine

Fortsetzung des bekannten Systems. Die Sendegenehmigung selbst –

und das war im Gegensatz zur Bundesrepublik eine Besonderheit im

DDR-Amateurfunk – war zuerst als Mitbenutzer an Klubstationen vorgesehen,

auch wenn teilweise wieder wegen des Mangels an Funkamateu-

ren Einzelgenehmigungen zum Errichten und Betreiben von Amateurfunksendern

direkt an Personen ausgegeben wurden. Der Bedeutung

des Kollektivs für den Aufbau des Sozialismus entsprach in der DDR die

Bedeutung der Klubstation als traditionell gemeinsamer Bezugspunkt der

Funkamateure. Sie war die Sozialisierungsinstanz des Amateurfunks,

aber auch der GST, wenn beispielsweise Belehrungen auf der Tagesordnung

standen. Es kam bei dieser ideologischen Komponente jedoch

auf die Gemeinschaft vor Ort an, inwieweit die Gruppe bzw. ihr Leiter

dafür empfänglich war. Gleiches gilt auch für die staatliche Infiltration

durch das MfS und die weitergehenden Aufträge im vormilitärischen

Sinne. Amateurfunkklubstationen wurden unabhängig ihres Standortes

als GST-Einrichtung deklariert und mit einem Sicherheitsregelwerk versehen,

das Funkgeräte analog einer Waffe in einem eigens dafür vorgesehenen

Raum unter Verschluss hielt. Das Auswahlverfahren bei der Lizenzprüfung

wie der Zugang zu Funkgeräten in der Klubstation wurde so

gestaltet, dass Nicht-Befugten, aber auch politisch nicht-genehmen

Leuten der Zugang zu Sendeananlagen bzw. zur Amateurfunkgenehmigung

verwehrt wurde. Einzelgenehmigungen, die ein Errichten und Betreiben

einer Sendeanlage – auch in der eigenen Wohnung – erlaubten,

wurden im Laufe der Zeit nur noch zentral, d.h. nach Besuchen einer

zentralen Schulung, ausgegeben, deren Lehrplan militärische Komponenten

sowie amateurfunkfremde, gesellschaftliche Fragestellungen beinhaltete.

Letztendlich war jedoch die Klubstation die Keimzelle und die

Basis des DDR-Amateurfunks, deren Tagesablauf durch das Selbstverständnis

der Funkamateure geprägt wurde.

 

Das eigene internationale Selbstverständnis der Funkamateure erwies

sich als recht resistent gegenüber Umdeutungsversuchen im Sinne der

politisch-ideologischen Ausrichtung der GST. Die GST-Führung legte

sich in den fünfziger Jahren in Übereinstimmung mit dem allgemeinen

Sportwesen darauf fest, das „Nursportlertum“ und den fehlenden „aktiven

Klassenstandpunkt“ zu beseitigen. Dies blieb bis zum Ende der DDR

ähnlich, auch wenn das „Nursportlertum“ schon Ende der fünfziger Jahre

in der GST als offiziell „überwunden“ galt. Der Funkerfreund der Bundesrepublik

war laut GST-Führung eben nicht nur „unpolitischer“ Funkamateur,

sondern gleichzeitig ein verlängerter Arm der „subversiven und ag-

gressiven Machenschaften des imperialistischen Klassenfeindes“. Die

„Logik“ des Klassenkampfes und die Einbindung der eigenen Funkamateure

in das staatliche System der Landesverteidigung wurde auf die

Bundesrepublik übertragen, wobei die Verteidigung der „friedlichen sozialistischen

Errungenschaften“ gegenüber denen per se als „aggressiv“

postulierten Vorgehensweise der anderen Seite zwangsläufig seinen

Niederschlag im Amateurfunkwesen finden musste. Das Ziel eines einheitlichen

Eigen- und Feindbildes funktionierte bei den Funkamateuren

nur eingeschränkt, denn trotz exklusiv postulierter „Grundwahrheiten“

und alleinigem Bewertungsrecht aktueller Ereignisse und damit einhergehenden

Erziehungsversuchen konnte eine selbstständige Prüfung dieser

Aussagen durch den einzelnen Funkamateur nicht verhindert werden. Im

Gegensatz zu der politischen Führung der beiden deutschen Staaten

und den nur auf das notwendigste beschränkten Kontakten der GST als

staatlich kontrollierter Interessensvertreter zum bundesrepublikanischen

DARC, war die Verbindung der einzelnen Funkamateure beider deutschen

Staaten privat untereinander nämlich nie abgebrochen bzw. wurde

durch jüngere Funkamateure sogar als Privileg empfunden. Durch den

„Punkt zu Punkt-Charakter“ war dieser Kontakt stets persönlich und

weniger durch Institutionen, als durch gemeinsame private Interessen

bestimmt. Eine Funkabschottung war analog dem Rundfunk- und Fernsehbereich

nicht möglich, denn Funkwellen machen nicht vor physischen

Barrieren halt. Da nutzte es nur wenig, dass die GST dem westdeutschen

DARC seine Selbstdarstellung als „unpolitischen Verband“ wegen

der NS-Vergangenheit einzelner Mitglieder und dem Alleinvertretungsanspruchs

der deutschen Funkamateure bei der IARU stetig vorhielt, denn

die gemeinsame Vergangenheit, Sprache und das eigene Wertesystem

prägte weiterhin die persönliche Identität eines Großteil der deutschen

Funkamateure. Bei den Angriffen auf die westdeutschen Amateurfunkinstitutionen

wurde dabei in der GST stets unterschlagen, dass in der Bundesrepublik

eine Zwangsanbindung an eine Organisation nicht vorhanden

war, um seinem Hobby nachzugehen.

 

In den fünfziger Jahren war für das MfS ein Funkamateur zudem per

se spionageverdächtig. Zwar gab es wegen der Spionagevorwürfe zahlreiche

Verhaftungen in der DDR, inwieweit der Amateurfunk allerdings

als „verlängerter Arm“ der feindlichen Aktivitäten diente, konnte das MfS

nur punktuell und erstmalig im größeren Rahmen durch die Tätigkeiten

der bundesrepublikanischen Funkamateure während des Ungarn-Aufstandes

1956 beweisen, ohne dabei die ideologisch abgeleiteten Postulate

durch empirische Befunde allgemeingültig untermauern zu können.

Was das MfS vorfand, waren Einzelfälle, zumal das Ministerium in den

fünfziger Jahren mit dem Aufbau der eigenen Strukturen und der Anwerbung

geeigneter Mitarbeiter zur Überwachung der Funkamateure beschäftigt

war. Dieser Prozess ging nur schleppend voran und dauerte auf

dem Sektor Amateurfunk bis in die siebziger Jahre hinein.

 

Strukturell war für die Funkamateure innerhalb der GST nach dem II.

Kongress der Organisation ab 1960 der Weg zur Gründung einzelner

Sektionen in den Sportarten frei. Dies wurde von den Funktionären unter

den Funkamateuren zum Anlass genommen, einen zwei Jahre zuvor

abgelehnten Antrag nochmals einzureichen, nämlich den zur Gründung

der Radioklubs, einerseits als Zentren des Radiosports in den Bezirken,

sowie andererseits in Form des Zentralen Radioklub der DDR als

oberste Repräsentanz. Die Entstehung der Radioklubs Anfang der sechziger

Jahre bildet den Abschluss der Aufbauphase des DDR-Amateurfunks.

Der zentrale Radioklub in Berlin und insbesondere das Haus des

Radioklubs war einerseits Dienstleister und trieb Neuerungen für den

Amateurfunk der DDR durch diverse Gremien voran, war andererseits

aber auch Kontrollinstanz unter der Anleitung der Abteilung Nachrichten

beim Zentralvorstand der GST. Vor Ort, d.h. nun insbesondere auf Bezirksebene

und den dortigen Radioklubs, war der einzelne Funkamateur

aber weiterhin abhängig von den jeweiligen ortsansässigen Funktionären,

auch wenn es speziell für den Nachrichtensport eigene „Instrukteure“

gab.

 

Die vormilitärische Ausbildung kam während der Aufbauphase und

Ausbauphase des Amateurfunks bzw. Nachrichtensports nur sehr

schleppend in Gang und blieb stets hinter den hohen Erwartungen der

Führung zurück. Die hierzu in der Untersuchung exemplarisch geschilderte

Situation in Torgau stellte eher eine Ausnahme dar. Offensichtlich

zeigte sich in Torgau, dass die Abwesenheit von Funkamateuren bei der

Sozialisierung einer neuen Generation im Sinne der gewünschten ideo-

logischen GST-Erziehungsziele zwar hilfreich war, allerdings gesamtorganisatorisch

das blieb, als das es dargestellt wurde, nämlich ein Musterkreis

und somit ein Einzelbeispiel, an dem sich andere Kreise ein Vorbild

nehmen sollten. Dafür kam der Torgauer-Amateurfunk nur sehr

langsam zum Erfolg, obwohl dies das erklärte Ziel der jungen Mitglieder

der dortigen GST war. Wegen der fehlenden Funkamateure vor Ort ging

für die jungen Funkinteressierten der Weg nur über den vormilitärischen

Nachrichtensport, was von den Funkamateuren in anderen Kreisen eher

skeptisch beurteilt wurde. In Torgau zeigte sich zudem ein massives

Problem, mit dem die GST insbesondere dann zu kämpfen hatte, wenn

besonders junge Ausbilder dem Hauptziel der Organisation entsprachen

und sich langfristig in der Nationalen Volksarmee verpflichteten. Diese

fehlten der GST als Ausbilder vor Ort, was häufig zum Zusammenbruch

des kleinen Bereichs des Nachrichtensports führte.

 

Allgemein versuchte die GST ab den sechziger Jahren durch organisationstechnische

Maßnahmen den Druck auf die Funkamateure bezüglich

der „gesellschaftlichen Aufgaben“ zu erhöhen. Dabei war sie aber

stets bedacht, gleichzeitig einen weitergehenden Nutzen für die Funkamateure

zu schaffen, um durch dieses Mischkonzept die Verzahnung

des Amateurfunks mit der vormilitärischen Komponente der Organisation

zu erreichen. In der Untersuchung wurde dies u. a. anhand der „Organisationsaufträge“

geschildert, die eine Auswahlmöglichkeit beinhalteten,

in denen nicht nur Vormilitärisches, sondern auch amateurfunkbezogene

Aufgabenstellungen zu finden waren.

 

In mehrfacher Hinsicht entwickelte sich das Jahr 1968 zu einem

Schlüsseljahr für die Funkamateure und die GST. Die Dominanz der Nationalen

Volksarmee über die Gesellschaft für Sport und Technik wurde

im Zuge des IV. Kongresses der GST durch einen nochmals verschärften

Militarisierungskurs deutlich und in den Statuten festgeschrieben.

Diesem Kurs fielen u. a. die Bezirksradioklubs zum Opfer, um stärker die

Ausbildungsziele der Organisation in den Vordergrund zu rücken. Die

Ereignisse in der CSSR zementierten im Herbst 1968 die MfS-Sichtweise

auf den Amateurfunk für die kommenden Jahrzehnte und führten

zu einem massiven Ausbau der allgemeinen Funküberwachung. Dies

mündete schließlich zu Beginn der siebziger Jahre in der Gründung einer

eigenen Abteilung zur Funkabwehr. Mit der Bündelung der Funküberwachung

in der Abteilung III ging die konspirative Durchdringung der Funkamateure

an allen Schlüsselpositionen der GST und Amateurfunkklubstationen

einher, zuerst durch Gesellschaftliche Mitarbeiter Sicherheit,

sowie in der Folgezeit durch Informelle Mitarbeiter des MfS. Es waren

aber weiterhin singuläre Ereignisse, die für das MfS Beweis für die vermeintlich

subversive Tätigkeit des bundesrepublikanischen Feindes war

und zur Rechtfertigung des eigenen Ausbaus der Überwachungsstrukturen

im Amateurfunkbereich herhalten mussten. Aus der Situation in Ungarn

1956 hatten die Sicherheitsbehörden 1968 allerdings gelernt und

ein Funkverbot für die Funkamateure während des CSSR-Aufstandes

angeordnet. Nach 1968 entwickelte das MfS eine Dominanz, die in postalischen

und den schließlich zu späterem Zeitpunkt in den achtziger

Jahren selbst GST eigenen Überwachungsinstanzen nur einen verlängerten

Arm des eigenen Ministeriums sah. Alle Anträge auf Zulassung

zum Amateurfunk wurden durch die Strukturen der neu für die Funkabwehr

gegründeten Abteilung III bzw. späteren Hauptabteilung III geschleust,

wo sich eine Unterabteilung ausschließlich mit dem Amateurfunk

beschäftigte. Neben der Ätherüberwachung durch MPF durch eigene

Strukturen kamen mehr als zwei Drittel aller Informationen von den

Funkamateuren selbst, wobei ein Grund für die Mitarbeit beim MfS und

das Ausspitzeln des eigenen Funkkollegen sowie eine Einschätzung des

Wertes der Informationen für das MfS anhand der Akten nicht geklärt

werden konnte.

 

Es unterstreicht die Dynamik in der Entwicklung auf dem Gebiet des

Amateurfunkwesens selbst unter den Bedingungen von konstitutiven Widersprüchlichkeiten,

dass einerseits im Zuge des IV. GST-Kongresses

1968 von den Amateuren befürchtet wurde, mit dem Amateurfunk ginge

es nun zu Ende, anderseits sich trotz des verstärkten Militarisierungskurses

der eigenen Organisation eine vorsichtige Abgrenzung von militärischen

Aufgaben der Funkamateure unter Federführung des Radioklubs

der DDR als Zentrale gelang. Politisch wurde von den Funktionären unter

den Funkamateuren im Radioklub der DDR nach dem IV. Kongress

der GST damit argumentiert, den Alleinvertretungsanspruch des westdeutschen

Verbandes im Weltverband nur mit einem IARU-Beitritt

durchbrechen zu können. Gleichzeitig ermöglichten die Beitrittsversuche,

sich innerhalb der GST-Spitze aus dem unmittelbaren nachrichtensportlichen

bzw. militärischen Umfeld zu lösen und ausschließlich für den

Amateurfunk zuständige Gremien zu installieren. Weiterhin ausgeschlossen

waren Grundsatzentscheidungen, obwohl es subjektiv in der Erinnerung

der Beteiligten große Gestaltungsspielräume gab, was die Organisation

und die Durchführung von amateurfunkspezifischen Dingen betraf.

1975 gelang es schließlich, Mitglied der IARU zu werden. Dies war abhängig

von der internationalen Beziehung der beiden deutschen Staaten

und kam erst nach dem Grundlagenvertrag der beiden deutschen Staaten

zustande. Die organisatorische Entfaltung des Amateurfunks erreichte

mit dem Beitritt des Radioklubs der DDR in die IARU seinen Höhepunkt.

Er war nun gefestigt, auch gegenüber sicherheitspolitischen Bedenken

im MfS. Ab Mitte der siebziger Jahre ging es daher nicht mehr um die

Frage nach der Existenzberechtigung des Amateurfunks an sich, sondern

nur noch um seine möglichst umfassende Kontrolle. In der Phase

der Annäherung der beiden deutschen Staaten drückte sich dies sowohl

in der Furcht vor direkten Begegnungen mit westdeutschen Funkamateuren,

sowie im unerlaubten Einschleusen elektronischer Bauteile durch

die Besucher aus. Die politische Öffnung nach außen ging daher mit

einer noch stärkeren Überwachung nach innen einher, die ideologisch

mit der Annahme zu einem sich „auf den ideologischen Sektor verlagerten

Klassenkampf“ begründet wurde. Im Bereich des Amateurfunks

wurde dieser neuen Bewertungslage dadurch entsprochen, indem die

Strukturen des MfS und die Basis der Informellen Mitarbeiter stetig ausgebaut

und an allen Schlüsselpositionen in der GST solche Mitarbeiter

positioniert bzw. gewonnen wurden. Dabei befand sich das MfS auf einer

ideologisch präfigurierten Suche nach Bestätigungen der Grundwahrheiten,

welche empirisch eine nur geringe Entsprechung fanden. Es entsprach

der MfS-Logik und Teilen der GST-Führung, darin nicht eine

Widerlegung der eigenen Annahmen zu sehen, sondern vielmehr von

einer hohen Dunkelziffer auszugehen. Das MfS konnte im Bereich Amateurfunk

nie „vorausschauend“ arbeiten, sondern lief aktuellen Entwicklungen

stets hinterher.

 

Die vorsichtige politische Öffnung der DDR und ihre Entsprechung im

Amateurfunkbereich hatten eine weitere Ausdifferenzierung der Strukturen

an der GST-Spitze zur Folge, um der neuen internationalen Anerkennung

der DDR Rechnung zu tragen. In der Amateurfunkverordnung

von 1977 wurde nur noch von „organisatorischer Zusammenfassung“ der

Funkamateure in der GST gesprochen und bis 1982 die beiden Aufgaben

der GST im Bereich Amateurfunk und vormilitärischer Nachrichtensport

weiter institutionell getrennt. Das Haus des Radioklubs wurde als

zentrales Objekt der GST organisatorisch vom Zentralvorstand getrennt,

wenn auch weiter von diesem angeleitet. Zwei unabhängige Kommissionen

mit jeweils zahlreichen Unterreferaten behandelten zudem unabhängig

voneinander die jeweiligen Belange des Nachrichtensports und

Amateurfunks.

 

Trotz dieser Ausdifferenzierung in den Strukturen blieben die ideologischen

Prämissen die alten. Dies spiegelte die Situation vor dem VII.

Kongress der GST wider, in Folge dessen eine Bestätigung und endgültige

Zementierung der „Grundwahrheiten“ erfolgte. 1982 wurde so nach

Verabschiedung des neuen Wehrgesetzes in der DDR die „ideologische

Schraube“ in der GST noch einmal gedreht und dabei aus heutiger Sicht

letztendlich überdreht. Die GST wurde Träger der vormilitärischen Ausbildung

mit „gesellschaftlichem Auftrag“ und fungierte auf diesem Gebiet

als Vorbereiter und Warteraum zur NVA, sowie für Reservisten als weitergehendes

Betätigungsfeld nach dem Ausscheiden aus der Armee. Im

Bereich Nachrichtensport und Amateurfunk wurden die einzelnen Kommissionen

im Radioklub wieder zu einer zusammengefügt. Dabei wurde

die relative Unabhängigkeit des Hauses des Radioklubs nicht angetastet.

Gleiches gilt für die von Funktionären als subjektiv empfundenen Freiheiten

in Gestaltungsdingen des Amateurfunks, auch wenn die Funkamateure

und die Nachrichtensportler trotz einer Trennung der jeweiligen

Stellvertreter des Vorsitzenden der GST im ZV nicht mit einem eigenen

Stellvertreter vertreten waren.

 

Was offiziell den „Doppelcharakter“ der GST als eine Freizeit- und militärische

Organisation ausdrücken sollte, fand nur im Zentralvorstand

seine Entsprechung. Denn vor Ort wurden die Strukturen meist nur auf

dem Papier geändert. So bewirkte 1987 die Gründung von einzelnen

Sportverbänden innerhalb der GST, so dem Radiosportverband (RSV)

für die Funkamateure und Nachrichtensportler, nur wenig Veränderung,

denn an der konstitutiven Widersprüchlichkeit und der militarisierten Freizeitbetätigung

ohne grundlegende Mitsprache der Mitglieder änderte

auch die letzte Strukturreform der GST nichts. Für die Funkamateure vor

Ort veränderte sich somit seit den siebziger Jahren organisatorisch nichts

Wesentliches mehr.

 

Die Dominanz sicherheitsrelevanter Dinge fand einen erneuten Niederschlag

in der Amateurfunkverordnung von 1986. Einmal mehr wurde

der Nachrichteninhalt in Amateurfunkgesprächen auf Dinge im ursächlichen

Zusammenhang mit dem Amateurfunk begrenzt. Amateurfunkgenehmigungen

wurden nur noch auf fünf Jahre Laufzeit ausgestellt, um

dann noch einmal eine weitere Sicherheitsüberprüfung durch das eigene

Ministerium durchführen zu können. Das MfS sah in den Funkamateuren

immer noch nicht die gefestigten sozialistischen Persönlichkeiten, die sie

eigentlich wegen eines umfassenden Durchleuchtens durch die eigene

Organisation und durch die Erziehungsmaßnahmen der GST hätten sein

sollen. Der Ausbau der MfS Strukturen im Bereich Funk war auf den

Amateurfunk bezogen zu dieser Zeit hauptsächlich ein Selbsterhalt des

Ministeriums, denn offizielle Daten der Funkkontrolle zeigten äußerst

disziplinierte Funkamateure im Sinne der Vorschriften. Viele bundesrepublikanische

Funkamateure wussten ebenfalls von der besonderen

Lage in der DDR und verhielten sich bei Gesprächen dementsprechend

zurückhaltend. Die DDR-Funkamateure gingen Provokationen aus dem

Weg, indem sie einfach das Gespräch beendeten. Selbst nach der verschärften

Verordnung zum Amateurfunk von 1986 gelang es den „Vollblutamateuren“

unter den Funktionären in der Folgezeit wieder, einige

Sicherheitsbestimmungen zu lockern und andere Vorgaben durch Durchführungsbestimmungen

zu dehnen, ohne aber den Paragraphen in der

Verordnung entschärfen zu können. Erst 1988 waren einige kritische

Anmerkungen im Zuge einer Selbsteinschätzung des MfS zu lesen, die

eine allgemeine Überwachung des Amateurfunks als „irreal“ bezeichneten,

ohne aber auf den eigenen Anspruch zu verzichten, der letztendlich

darauf hinauslief, die Entscheidung zur Zulassung zum Amateurfunk in

jedem Einzelfall neu zu treffen.

 

Im Bereich der vormilitärischen Funkausbildung zeigte sich eine Entwicklung,

die den hauptamtlichen und ehrenamtlichen Funktionär resignieren

ließ und entsprechendes Agieren im Alltag evozierte. Bei allen Indoktrinations-

bzw. Erziehungsversuchen in Zeitschriften, Schulungen,

Belehrungen (alleine das Wort „müssen“ wurde inflationär gebraucht),

trotz permanenter Warnung vor dem versteckten Feind im westlichen

Funkerfreund, gelang es der GST als Organisation letztendlich nur sehr

eingeschränkt, die Funkamateure davon zu überzeugen und für die vormilitärischen

Aufgaben zu aktivieren. Im Hinblick auf die von den Funkamateuren

als Eigenwert gesehene Funkdisziplin gingen vielleicht einige

erzieherische Funktionen der Massenorganisation mit den eigenen Vorstellungen

der Sozialisierung des Funkernachwuchses synchron, ließen

aber eine darüber hinausgehende ideologische Beeinflussung und Umdeutung

nur eingeschränkt zu.

 

Da Appelle der Organisation nicht im gewünschten Maße funktionierten,

wurden zuerst auf dem vormilitärischen Sektor, schließlich aber

auch auf dem Amateurfunksektor massenweise Leistungsvereinbarungen

mit schriftlich fixierter Aufgabenstellung geschlossen, die mit einer

Pauschalentschädigung vergütet wurde. Neben zahlreichen Auszeichnungen

in Form von Medaillen und Anerkennungen wurden so im Laufe

der Zeit immer stärker materielle Belohnungen innerhalb der GST und

somit auch an die Funkamateure vergeben, die sich über die Funktätigkeit

hinaus für die GST engagierten. Eine Freizeittätigkeit für den Amateurfunk

wurde dementsprechend als gesellschaftliche Arbeit in der Freizeit

tituliert, die einer Vergütung selbst für solche Funktionen wie Klubstationsleiter

im Bereich Amateurfunk mit einbezog. Hier unterlag die GST

einem Gleichheitsprinzip, das durch den „Doppelcharakter“ der Organisation

verursacht war. Da die Funkamateure eine wichtige Stütze im Bereich

der Ausbildung waren, wurden dementsprechend auch für diesen

Bereich Leistungsvereinbarungen geschlossen und vergütet. Gleiches

gilt für Freistellungen von betrieblicher Arbeit zwecks Erfüllung des seit

dem Wehrgesetz von 1982 als „gesellschaftlicher Auftrag“ formulierten

Organisationsziel der GST. Die gewünschten Auswirkungen auf das vormilitärische

Organisationsziel blieben allerdings weitgehend aus. Die

ideologische Komponente der Gesellschaft für Sport und Technik wurde

auf dem Funksektor spätestens mit Festschreibung eines „gesellschaftlichen

Auftrages“ durch die einzelnen Mitglieder in eine, wenn auch

geringfügig belohnte, finanzielle Komponente verwandelt, die zudem die

Wichtigkeit des Amateurfunks unter diesem Deckmantel endgültig begründete.

Es entwickelte sich dadurch aber auch ein Anspruchsdenken

einzelner Funkamateure der Basis gegenüber der Organisation, das

häufig selbst für Tätigkeiten im Bereich des Amateurfunks eine für die

aufgewendete Zeit entsprechende Anerkennung als selbstverständlich

betrachtete. Als Selbstverständlich wurde auch das fast kostenlose Nutzen

der GST-Einrichtungen aufgefaßt, was neben den vernachlässigbaren

Mitgliedsbeiträgen insbesondere die Ausstattung der Funkstationen

durch die Massenorganisation war. Auch wenn dies teilweise nur unzulänglich

geschah, so war es ein Teil des Freizeitsystems der DDR, das

interessierten Bürgern unabhängig ihrer finanziellen Situation eine Infrastruktur

für persönliche Bedürfnisse zur Verfügung stellte. Die DDR subventionierte

den Amateurfunk mit Millionenbeträgen, konnte aber technisch nie

die stetig steigenden Bedürfnisse der Funkamateure befriedigen. Vielmehr

entstand häufig nur ein Mitnahmeeffekt durch die einzelnen Mitglieder.

Die GST hatte nicht zuletzt finanziell einen Preis dafür zu zahlen,

dass die in ihren Organisationsstrukturen ausgeübte Freizeitbeschäftigung

im Laufe der Zeit nicht das Maß des „Reichtums“ des sozialistischen

Staates widerspiegelte, sondern vielmehr immer stärker zur militärischen

Verteidigung des real existierenden Sozialismus der DDR und

somit letztendlich der Herrschaftssicherung der SED dienen sollte. Tatsächlich

näherte sich die GST an dieser Stelle stark einem von Heribert

Seubert beschriebenen „militarisierten Sozialismus“ an. Die ständig erhöhten

Anforderungen und Ausrichtung an einen „militarisierten Sozialismus“

führten letztendlich mit zum Scheitern der GST, da die Justierungen

am System hauptsächlich durch ideologische Ableitungen und nicht

reale bzw. empirische Fakten vorgenommen wurden. In der vormilitärischen

Ausbildung auf dem Funksektor waren hauptamtliche Funktionäre

vor Ort mit der Komplexität der Anforderungen des Wehrgefüges und

den Vorgaben der GST-Führung überfordert, waren diese doch mit den

örtlichen Realitäten nicht einfach zu synchronisieren. Die Vorgaben bezüglich

Quantität und Qualität der Ausbildung konnten deshalb zumeist

vor Ort nicht erfüllt werden. Zudem herrschte ein Klima des Gehorsams

und der Anpassung vor, das selbst die überzeugtesten Funktionäre zu

Pragmatismus in Form von geschönten Berichten greifen ließ. Der „demokratische

Zentralismus“, der die einzelnen Gremien und Organisationsstufen

der GST, teilweise durch die militärische Dominanz zudem in

einem eben solchen Ton beherrschte, ließ kritische Stimmen schnell

verstummen, und „nach oben“ nur das berichten, was die Führung hören

wollte. Das stärkste Führungsinstrument taugte daher nur eingeschränkt,

um die Organisationsziele durchzusetzen. Am Beispiel des Kreises Torgau

wurde dies verdeutlicht. Eine Abstimmung mit den Wehrkreiskommandos

und den Betrieben vor Ort war sehr schwierig zu bewerkstelligen.

Häufig blieb es bei der einfachsten Rekrutiermethode, nämlich der

Abordnung geschlossener Klassen- bzw. Lehrgangseinheiten zu einer

Ausbildungsrichtung der GST, um überhaupt eine geregelte Ausbildung

im Funkbereich gewährleisten zu können. Wenn diese selbst noch in der

Freizeit stattfinden sollte, so waren die Motivation und die Ergebnisse

dementsprechend gering. Vor Ort wurden deswegen Ergebnisse in der

vormilitärischen Ausbildung nicht nur wegen der Absicherung des eigenen

Arbeitsplatzes nach „oben“ frisiert, auch nach „unten“ mussten bessere

Ergebnisse verkündet werden, um die wenigen ehrenamtlichen

Ausbilder nicht zusätzlich zu frustrieren, wie am Beispiel Torgau in der

Funkausbildung dargelegt wurde. Es kam auf das organisatorische Geschick

vor Ort an, um nicht nur eine Umsetzung der gewünschten Vorgaben

wenigstens vortäuschen zu können, sondern ebenfalls nicht die

eigene Lebensgrundlage als hauptamtlicher Funktionär der GST zu verlieren.

Bis in die achtziger Jahre hinein gab es zudem den paradoxen Zustand,

dass der zum Amateurfunk ausgebildete Jugendliche bei Beginn

der Wehrpflicht seine Sendegenehmigung ruhte und er am Amateurfunk

nicht mehr teilnehmen konnte. Über die festgelegte Wehrdienstzeit hinausgehende

Verpflichtungen waren daher die Ausnahme. Eine endgültige

Einführung des Nachrichtensports in der NVA nach GST-Bestimmungen

erfolgte in Teilen erstmals in den siebziger Jahren, vollständig

aber erst in den achtziger Jahren, als der Mangel an fähigem Funkpersonal

offensichtlich wurde. Selbst dann wurden die vormilitärisch ausge-

bildeten Jugendlichen in der Armee häufig anderweitig eingesetzt, als es

die GST-Ausbildung vorsah. Dies war zwar der GST-Führung bekannt,

ohne daran allerdings etwas ändern zu können bzw. zu wollen. Blickt

man dann noch auf die Erfahrung ehemaliger NVA-Funker, die von

mangelhaften Funkkenntnissen bei Eintritt in die NVA sprachen, so kann

die vormilitärische Zielstellung der GST gemessen an den eigenen Ansprüchen

im Bereich Funk als gescheitert bezeichnet werden. Dies

brachte selbst die oberen Funktionäre teilweise ins Zweifeln, wie in Erinnerungen

nachgelesen werden kann, ohne es freilich damals geändert

zu haben. Auf die zwangsweise in die GST eingebundenen Jugendlichen

wirkte die Organisation jedoch als Träger einer militarisierten Freizeit abschreckend.

Die Fehleinsetzungen innerhalb der NVA lassen die vormilitärische

Ausbildung der GST lediglich als eine Disziplinerziehung erscheinen.

Dies diskreditierte die GST nachhaltig und wirkte sich auch auf

den Amateurfunk aus. Trotz der immer wieder propagierten Ausrichtung

auf die Jugend gab es gegen Ende der DDR nur etwa 4500 Funkamateure

in der GST, die in ihrer Altersstruktur der Zusammensetzung der

Funkamateure der Bundesrepublik entsprachen. Auch der DDR-Amateurfunk

alterte kontinuierlich im gleichen Maße zur Mitgliederstruktur

des westdeutschen DARC, so dass sich hier in beiden deutschen Staaten

das Interesse an der Funktechnik unter den nachfolgenden Generationen

gleich entwickelte.

 

Die Frage der Disziplinerziehung stellte sich schließlich auch 1989, als

mit der Machterosion der SED das bisherige Organisationsgefüge der

GST ins Wanken geriet. Durch die Gruppe der Funkamateure ging dabei

ein Riss, was die unterschiedlichen Erfahrungen in der DDR widerspiegelte.

Ein Teil plädierte für die Wandlung in einen Dachverband mit

selbstständigen und basisdemokratisch organisierten Sportverbänden, in

denen durchaus auch eine freiwillige vormilitärische Ausbildung stattfinden

konnte, ein anderer Teil stimmte wiederum einer Dachverbandslösung

zu, wollte aber eine radikale Trennung aller militärischen Komponenten,

während Dritte für die Funkamateure eine vollständige Trennung

und eine Selbstorganisation analog der Bundesrepublik favorisierten.

Das Misstrauen gegenüber der GST saß tief in den Reihen der Basis. Es

kam eine strikt ablehnende Haltung insbesondere aus den Kreisen, die

unter Funktionären zu leiden hatten, die nur wenig Verständnis für die

Funkamateure zeigten. Allerdings schlossen sich in der Kritik auch solche

Funkamateure an, die eher zu den Nutznießern des Systems gehörten.

Diejenigen Teile der Gruppe, die eine Trennung erreichen wollten,

setzten sich schließlich durch. Der Verbandstag im März 1990

brachte einen unabhängigen Verband in Form des RSV e.V. ohne Dachverbandsanschluss,

auch gegen einigen Widerstand in den Reihen der

Funkamateure. Damit waren die Funkamateure zum ersten Mal in der

Geschichte der DDR in einem eigenen, unabhängigen Verband organisiert,

wenn auch nur für kurze Zeit, denn die Wiedervereinigung der beiden

deutschen Staaten durch Beitritt der DDR in die Bundesrepublik

zeichnete sich schon am Horizont ab. Einigen realistischen Einschätzungen

bezüglich der zukünftigen Finanzierung des Amateurfunks als

Hobby, nun zum Selbstzweck und deswegen aus hauptsächlich privaten

Mitteln zu finanzieren. Daneben standen gleichfalls Ilusionen bezüglich

einer zukünftigen staatlichen Unterstützung, zu deren Realisierung es

nicht mehr kam. Die Treuhand blockierte eine Übertragung der vormaligen

in GST-Besitz befindlichen Klubstationstechnik zum RSV e.V. Auch

im westdeutschen Amateurfunkverband waren einige Vereinsfunktionäre

besorgt, was die möglichen finanziellen Forderungen des neuen DDRVereins

bei einer möglichen Eingliederung als kooperatives, eigenständiges

Mitglied unter dem Dach des DARC betraf. Eine Einigung wurde

schließlich insbesondere durch die Westberliner DARC-Mitglieder verhindert,

so dass der RSV e.V. nicht als eigenständige Organisation in

den DARC überführt wurde, sondern die westdeutschen Strukturen auf

die neuen Länder übertragen und den eigenen ostdeutschen Mitgliedern

der Beitritt in den DARC als Einzelperson empfohlen wurde. Davon abgesehen

hätte die Internationale Amateur Radio Union sowieso nur einen

deutschen Verband als Mitglied akzeptiert. Die Funktionäre des unabhängigen

RSV e.V. wollten jedoch möglichst viel der eigenen Strukturen

und Eigenarten des DDR-Amateurfunks mit in das wiedervereinigte

Deutschland einbringen. Dies gelang lediglich in einigen Punkten der

Amateurfunkverordnung, die in einer Übergangsphase für die ostdeutschen

Funkamateure einen größeren Genehmigungsumfang beibehielt.

Viele der gewachsenen Strukturen vor Ort verschwanden mit den sich

nicht mehr selber tragenden Klubstationen. Die nun einfach zu erhaltene

Einzelgenehmigung trug zusätzlich zum Verschwinden der gemeinsamen

Stationen bei, auch wenn sich einige dieser Institutionen noch Jahre

hielten bzw. an anderer Stelle neu errichtet wurden.

 

Seit Ende des Kalten Krieges wurden die rechtlichen und auch inhaltlichen

Rahmenbedingungen für Funkamateure stetig gelockert. Die Initiative

kam dabei eher von außerhalb Deutschlands oder von Behördenseite.

Das eigene System, ursprünglich als Positionierung gegenüber den

staatlichen Interessen gedacht, wird heutzutage von der eher älteren

Mehrheit unter den Funkamateuren stetig als fast schon „non plus ultra“

verteidigt und eine Funkdisziplin im Amateurfunkdienst angemahnt, dessen

Kontrolle staatliche Stellen schon einige Jahre nicht mehr bzw. nur

am Rande interessiert. Hinzu kam die Abschaffung der Morsetelegrafie

1999 im Seefunkverkehr durch die Einführung eines neuen Notrufsystems,

das diesen Code nicht mehr benötigt. Auch wenn viele Funkamateure

dagegen waren, blieb dies nicht ohne Auswirkungen auf den Amateurfunkdienst.

Seit 2003 (in Deutschland erst seit Herbst 2006) ist Morsetelegrafie

nicht mehr als Voraussetzung für eine Kurzwellenlizenz vorgeschrieben.

Die als Privilegierung empfundene Amateurfunkgenehmigung,

die wegen der Selbstbeschränkung sowie einem diszipliniertem Verhalten

heraus, staatlich unterstützt wurde, ist heutzutage mit ungleich einfacherem

Aufwand zu bekommen. Eine organisatorische Anbindung ist zudem

nicht zwingend erforderlich. Interessanterweise funktionierte das eigene

Sozialisierungssystem solange, wie sich die Gruppe der Funkamateure

besonders gegen staatliche Restriktionen und Einflüsse abschirmen

musste, um einen Amateurfunkdienst an sich zu garantieren. Mit dem

Wegfall dieser Einflüsse wirken die eigenen Verhaltensregeln für viele

Funkamateure nicht mehr verbindlich, was gegenwärtig teilweise dazu

führt, wieder eine stärkere Kontrolle zu fordern. Der Amateurfunk steht

zudem in Konkurrenz zu den Eigenreizen der neuen Kommunikationstechnologien.

Mit den heutigen, liberalisierten Rahmenbedingungen und

Kommunikationsstrukturen, die allen einen bezahlbaren, weltweiten Informationsaustausch

mittels Internet oder Telefon ohne inhaltliche Beschränkung

erlauben, ist die Privilegierung des Amateurfunk diesbezüglich verschwunden.

 

Autor: Christian Senne, http://www.radiohistory.de  (Bitte beachten Sie den Disclaimer auf der Hauptseite)